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Glücksfaktor Garten und ein Tomatenquartett

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Adam Burakowski

„Das Konzept der Gemeinschaftsgärten boomt in Polen“, erklärt Dorota Swinarska, Beauftragte für Kulturprogramme am Goethe Institut Warschau. Grün ist nicht eben die Farbe, die man zuerst mit einer 1,7 Mio.-Metropole wie Warschau assoziiert. Vermutlich ist gerade deshalb in vielen europäischen Großstädten das Bedürfnis besonders groß, vor grauen Skylines Gemüse und Blumen wachsen zu sehen.

Fot. Adm Burakowski
Fot. Adm Burakowski

Am Sonntag wurde der ogród powszechny eingeweiht – ein Gemeinschaftsprojekt des Teatr Powszechny, des Goethe Instituts und der Stiftung Strefa WolnoSłowa. „Es ist der erste Gemeinschaftsgarten in Polen, der direkt an eine Kulturinstitution angebunden ist“, informiert die Kulturbeauftragte.

Als Inspiration für das Warschauer Projekt dienten die Berliner Prinzessinnengärten (Nomadisch Grün GmbH). Im vergangenen Jahr hatte das Goethe-Institut deren Mitinitiator Marco Clausen nach Warschau eingeladen, um ein Konzept für einen Gemeinschaftsgarten zu entwickeln. Die Nomadisch Grün GmbH entwickelt weltweit urbane Gärten als Orte gemeinsamen Lernens, wobei die Bildungs- und Beteiligungsmöglichkeiten möglichst niederschwellig gehalten sein sollten. Dabei reicht das Spektrum der möglichen Aktivitäten vom Säen, Pflanzen, Ernten, über die Saatgutgewinnung, das Verarbeiten und Konservieren des Gemüses, die Bienenhaltung in der Stadt, den Bau von Wurmkompostern bis hin zur Entwicklung neuer „Anbaumethoden im Selbstbau“.

Fot. Adm Burakowski
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Im Februar 2016 folgte dann ein zweitägiger Workshop für interessierte Gärtner am Teatr Powszechny. Bereits in Köln-Mühlheim hatte Nomadisch Grün gemeinsam mit dem Schauspielhaus auf einem ehemaligen Industrieareal den „Carlsgarten“ initiiert. Ein wahrlich florierendes Konzept und längst ein In-Place. Rasch hat sich der Carlsgarten für seine sozial eher schlechter gestellte Umgebung zu einem echten Positivposten entwickelt. Theaterschaffende, Theaterbesucher und die Anwohner kommen hier bei einem entspannten Glas Kölsch im Biergarten zusammen – oder beim gemeinsamen Gärtnern.

Nichts Geringeres als der „Glücksfaktor der Bewohner“ solle nun auch in Warschau die Basis für eine neue Gesellschaftsordnung bilden, erklärt Dorota Swinarska. Das Entwicklungsniveau des Landes dürfe nicht mehr nach dem Faktor des Bruttoinlandproduktes gemessen werden. „Das Vorbild ist Bhutan, wo der städtische Raum die guten Beziehungen zwischen den Bewohnern beeinflusst und die Entwicklung des Denkens und Austausches begünstigt wird.“ Gemeinsam wolle man eine neue Agora schaffen, die auch Raum für künstlerische Aktionen bietet.

Fot. Adm Burakowski
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So lädt die Kuratorin Dagna Jakubowska am 29. Juli zu einem „Stadtfestmahl“ ein. Das Menü des Abends bleibt allerdings eine Überraschung – es wird die Quintessenz der gemeinsamen städtischen Forschungstour auf der Suche nach überraschenden Zutaten und unentdeckten Nahrungsvorräten bilden. Brennnesseln oder essbare Blüten? Manches Mauerblümchen mag nun in neuem Licht betrachtet werden.

„Im Garten der Mode“ wiederum untersuchen Monika Jakubiak und Karolina Sulej am 4. Juni die Bedeutung der Kleidung auf emotionaler, sinnlicher und intellektueller Ebene, wobei die Teilnehmer „Geschichten“ über ihre eigene Bekleidung beisteuern können. „Grüne Kleidung“ ist längst mehr als ein Schlagwort und ein neues Bewusstsein von Konsum und Ökologie etabliert sich in Polen zunehmend. Begleitet wird die Performance durch die Lesungen polnischer Autoren.

Anlässlich der Warschauer Garteneröffnung hat das Goethe Institut zudem einen Themenraum „Grüne Stadt“ eingerichtet, in dem sich bei Konzerten, Lesungen und Filmabenden alles um das Ziel dreht, die moderne Stadt nachhaltig und als Gemeinschaftswerk zu gestalten. Einen Auftakt nach Gusto macht dabei Maciej Markowskis interaktive Klanginstallation mit dem überaus sinnhaften Titel „Das Tomatenquartett“.

Programm Goethe-Institut Warschau „Grüne Stadt“

Tags : Community GardenDorota SwinarskaGemeinschaftsgartenGoethe-Institut Warschauogród powszechnyStrefa WolnoSłowaTeatr Powszechny