Zum nunmehr dritten Mal erklingt anlässlich der Zeitumstellung das Glockenspiel im Zwinger mit neuer Musik. Doch jetzt, da sich eine Tradition auszubilden beginnt, könnte schon ihr Ende eingeläutet worden sein – die kürzlich beendete Abstimmung auf Veranlassung der Europäischen Kommission hat es gezeigt. Wer weiß also, wie lange es die Zeitumstellung noch geben wird? Umso mehr möchten wir dazu einladen, die kommende „zeitlose Stunde“ im Zwinger zu erleben. Am Sonntag, den 28. Oktober 2018, wenn die Uhren von der Sommer- auf die Winterzeit umgestellt werden, laden die Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz sowie die Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden, das Schlösserland Sachsen – Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH sowie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu einer Aktion des Künstlers Florian Dombois ein, der die gewonnene Stunde zum Kunstwerk und Readymade erhebt. „INVERSE. Ein städtisches Ritual für Dresden“ wird mit der Uraufführung einer Komposition von Didier Rotella (*1982, lebt in Paris, http://www.didierrotella.com) eröffnet, die Dombois eigens für diesen Anlass komponieren ließ. Das Werk wird live von Richard Röbel, einem ehemaligen Studenten der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, auf dem Carillon, dem Glockenspiel im Zwinger, gespielt. Für die Zeitumstellung von Sommerzeit auf Winterzeit werden um 3 Uhr die Uhren angehalten und es entsteht eine freie Zeit, eine „zeitlose Stunde“, die Dombois mit seiner Kunstaktion aus dem Schatten der Nacht in unser Bewusstsein holt. Er verwandelt die technische Notwendigkeit in ein poetisches Ereignis. Ab 1.23 Uhr steht der erleuchtete Zwinger allen Menschen offen. Um 3 Uhr, wenn die Zeiger für eine Stunde stehen bleiben, wird eine etwa 10-minütige Komposition von Didier Rotella zu hören sein und damit den Auftakt zur Stille der gewonnenen Zeit markieren. Ein gemeinsamer, einstündiger Abschied von der technischen Zeit, eine „Stunde ohne Zeiger“, ein „Riss in der Wirklichkeit“, wie Dombois es nennt, ein Freiraum zum Denken und Sinnen. Kein Zeitdruck, keine Notwendigkeiten, die Welt wartet einfach. Anlässlich der Kunstaktion öffnen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ab 1.23 Uhr zwei ihrer Sammlungen für themenspezifische Führungen von Julia Weber, Direktorin der Porzellansammlung, und Peter Plaßmeyer, Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons. Beide Museen stehen inhaltlich in Verbindung mit der Kunstaktion: Die Porzellansammlung besitzt das erste Meissener Glockenspiel von 1736 aus dem Japanischen Palais, das zu diesem besonderen Anlass ebenfalls erklingen wird. Der Mathematisch-Physikalische Salon wiederum war jahrhundertelang Inbegriff der Zeitmessung, wurde doch bis Anfang des 20. Jahrhunderts hier die Bestimmung der regionalen Zeit vorgenommen. Florian Dombois: „Ich kann mir keinen besseren Ort auf der Welt für ein Ritual zur namenlosen Stunde vorstellen. Der Zwinger ist nicht nur jahrhundertelang Referenzpunkt der sächsischen Zeitmessung gewesen, sondern ist auch die schönste Partyhölle des 18. Jahrhunderts!“ Ablauf am Sonntag, den 28.10.2018, 1.23 Uhr–3.00 Uhr: 1.23 Uhr Nachtöffnung des Zwingerhofs und 1.23 Uhr Beginn der gemeinsamen Direktorenführung durch die Porzellansammlung und anschließend durch den Mathematisch-Physikalischen Salon 3.00 Uhr Sommerzeit: Glockenspiel zur Eröffnung der namenlosen Stunde 3.00 Uhr Winterzeit: Schließung des Zwingerhofs
Termin Informationen:
„INVERSE. Ein städtisches Ritual für Dresden“ – Eine Aktion des Künstlers Florian Dombois
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